„Geldwert! Darüber können wir reden.“

Was verstehen wir heute unter „Geld“? Wie entstand das erste Geld, wie kommt Geld bei uns heute in die Welt und wohin fließt es? - Und was könnte nötig sein, um der Zeit der Finanzkrise klar und mutig zu begegnen? Wo und wann tut Wissen gut? - Geld regiert die Welt?! Wir starten wir Schritt für Schritt, um das wirklich spannende Wesen des Geldes zu begreifen.

0. Auch eine persönliche Einleitung

Frohe Weihnachten!“

...heißt die Botschaft, an die wir uns um diese Zeit im Jahr erinnern. Wir können und dürfen darauf vertrauen! Ich wünsche allen eine gesegnete Adventszeit und gute Anregungen beim Lesen.

Der Satz „Geld ist schmutzig“ geistert durch die Zeiten. Oder: „Geld verdirbt den Charakter.“ Als anständiger Christ überlegt mancher an Weihnachten wieder an eine Spende. In der kalten Zeit tummeln sich Menschen in der Fußgängerzone, erledigen ihre Weihnachtseinkäufe und vielleicht sitzt da ein Obdachloser. Unbeliebter noch ist der Gedanke an die Ende des Jahres anfallende Steuererklärung... Glauben wir wirklich noch an einen gerechten Ausgleich? Wir spielen Lotto, wollen sicher Karriere machen und hören über die Medien von (Geld-)Armut und Krisen. Es hat es in sich - das Geld!

Ich sitze also am Weihnachtstag in der Kirche und halte mein Geld, das ich zum Fest spenden möchte, in den Händen. Ich sehe Münzen und einen Papierschein mit einer Zahl darauf gedruckt, die ein allgemein gültiges Wertversprechen abgeben. Seltsam, dass uns dieses kleine Papier so heilig ist, denke ich mir. Aber wer kann sich das Geld noch wegdenken...? „Alternativlos“ wäre wohl seit 2010 das gängige Wort von Frau Merkel. „Rettungsschirm“ und „Griechenland-Krise“… „Heiliges Erspartes“ oder „verfluchtes Geld…“?! - Nein, STOPP: Ist es nicht wichtig, aufgeklärt und erwachsen zu werden im Umgang mit Geld?

Geld, des Menschen „Glück“...

Keinesfalls will ich mein Geld und unser Geld verteufeln, denn ich lerne gerade, dass ohne Geld wir wieder ursprünglich Brot gegen Butter tauschen müssten, dass unsere heutige komplexe arbeitsteilige Gesellschaft und viele Dienstleistungen ohne die Möglichkeiten einer Währung sich nicht entwickelt hätten. Auch kann ich auf der anderen Seite verstehen, dass die heutige Fokussierung auf Ökonomie von vielen zunehmend als lebensbedrohlich empfunden wird; dass sie folgenreiche Auswirkungen bis zu unserem Sozialgefüge und unserer Gesundheit hat. Kurz gesagt: Unsere Moderne kennzeichnet sich durch einen immer schnelleren Wandel und eine sich dessen zu eigen gemachte Wirtschaftsstrategie aus. Und das sorgt für Probleme. Bestimmt Geld irgendwie unser Denken? Wie?

Kommen wir fürs Erste zurück zu der eigentlichen Frage in der Kirche und meinen unsicheren Gefühlen, wenn ich mit Geld umgehe. Ist es pures Glück, dass ich zu denen gehöre, die Geld abgeben können - das heißt: existentiell im Überfluss leben? Bin ich sogar „Schuld“ an der Misere anderer, insbesondere der Menschen in den sogenannten „armen Ländern“? Wie viel Unsicherheit empfindet der Deutsche, wenn von einer Bankenpleite die Rede ist?

Aha!

Ich empfinde Geld heute (noch) zum großen Teil als unbefriedigend: Ich spüre einen Erkenntnisdrang, um einfach „Geld“ besser zu verstehen und nicht auf einem subtilen Gefühl (der Unsicherheit und Schuld) hängen zu bleiben. Ich gebe als demokratisches Individuum zu: ich will „Geld und die Macht darüber“. Ja, natürlich will ich mehr Sicherheit empfinden und als ganze Person klug autonom leben können. Aber wie geht das? Meine Recherche beginnt, die mir viele Zusammenhänge erleuchten sollen und so manche Gewissheit beschert, dass unser Geldsystem gar kein ungezähmtes Ungeheuer ist. Ich bin dabei auf manche Wiederholung in der Geschichte getroffen, wobei einige Vordenker schon gute Ideen hatten, auf deren Schultern sich unsere Generation stellen kann, „um ein bisschen weiter zu schauen“. Wir erleben zur Zeit die größte und schwerste Finanzkrise seit der letzten Banken- und Staatskrise in den 1930er-Jahren. Oder, um die Wechselwirkungen und Folgen insgesamt besser zu benennen, handelt(e) es sich zunächst um eine „Bankenkrise“, außerdem um eine „Staatsschuldenkrise“, sowie in einigen europäischen Staaten drohenden/ vorhandenen „Wirtschaftskrise“.

Die folgenden Worte schreibt Karl-Heinz Brodbecks in seinem großen Buch:

(aus Die Herrschaft des Geldes - Geschichte und Systematik)

Positive Erkenntnis kann also nur entstehen, wenn das eigene Denken sich klärt: Wenn der Rahmen, in dem sich unser Finanzdenken bewegt, sichtbarer wird.

Ergänzender Kommentar auf das Zitat Brodbecks hin: Das Denken zu überdenken ist hilfreich. Den Markt als „schwarzes Schaf“ festzulegen ist aber nicht zielführend; es wäre sogar falsch und womöglich ein Missverständnis - Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist der „Markt“ der Ort, wo Angebot und Nachfrage aufeinander treffen und das Zusammenspiel von „Konsumenten“ und „Produzenten“ möglich wird und im Gegensatz zur Zentralverwaltungswirtschaft genutzt wird. Bei der Suche nach dem „schuldigen Verursacher“ ist also weiteres Fragen und Forschen mit Geduld gefragt.

Dieser Text hat den Anspruch, die allgemein gültigen Glaubenssätze, die an unser Geld gekettet sind, und das Handeln kritisch zu betrachten; ich möchte keine politische Gruppe rühmen, sondern Zusammenhänge erklären und Wege aufgreifen und kennzeichnen, die gehbar sind und schon begangen worden sind, um Menschlichkeit und Verantwortung Raum zu geben.

Woher stammt nun die Idee mit dem Geld?

1. Station – Die Geschichte der ersten Verwendung von Geld

Der erste Abschnitt unserer Geld-Bootstour führt uns flußaufwärts zurück in der Geschichte. Es wird erklärt, wie das Geldwesen nach heutigen Erkenntnissen entstanden ist. Glaubwürdig ist auch eine weitere Geschichte, die wie oft eine blutige und von den Mächtigen der Zeit dominierte ist.

Plausibel ist einerseits die allgemeine Theorie, dass Geld aufgrund seiner Eigenschaften als allgemeine Währung eingeführt worden ist, nämlich erstens zur Aufbewahrung sowie des Weiteren als universeller Wertmaßstab und folglich als Tausch- und Zahlungsmittel. Sehr praktisch ist dies insbesondere seit der späteren Verwendung von Papiergeld – heute übertroffen von (elektronischem) Buchgeld.

Die Nähe des Geldes zu Macht/ Herrschaft & Krieg macht eine andere Erklärung anschaulich: Ein König möchte sein Land vergrößern und Krieg führen. Dazu sendet er sein Soldatenheer aus an die Ränder seines Landes. Natürlich müssen seine Heere mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Im Falle, dass der König diese von seinem Palast aus zu den Soldaten bringen ließe, bedeutete dies einen großen Aufwand und strategisch ungünstige Verzögerungen. Also verwendet der König eine schlauere Taktik: Er verpflichtet alle Einwohner seines Landes zur Abgabe einer Steuer in Form von Münztalern. Diese Münztaler gibt er an die Soldaten aus, bevor sie in den Krieg ziehen. In der Folge werden die Heere vor Ort von den umliegenden Dörfern versorgt im Austausch von Münztalern, die dann als Steuer zum König zurückgeführt werden. Nach dieser Erklärung wäre unser Geld also militärisch geprägt.

Wie es weitergeht

In einer globalisierten Welt sind wir alle voneinander abhängig und das Geldsystem stellt eine wesentliche Vernetzung zwischen den Menschen dar. Um die Frage nach der Macht vorwegzunehmen, können wir deutlich machen, dass von der Wurzel her „Geld erzeugen“ zu können, auch „Geldschöpfung“ genannt, die eigentliche Macht bedeutet, und nicht „Geld besitzen“, wie man vermuten könnte.

In Anlehnung an das (im Internet kostenfrei verfügbare) Buch Welt Macht Geld von Georg Zoche (und einen gleichnamigen Vortrag) soll das Ziel heißen: Globalisierung wieder demokratischer zu denken und zu gestalten und global relevantes Denken nationalen Zielen gleichzustellen: So können wir uns auf den Weg zu einer neuen Solidarität machen, auf Basis der menschlichen Würde, welche die Bedürfnisse des Einzelnen, das Band zwischen den Menschen sowie die Achtung der Umwelt mit einschließt. Vieles dazu ist im Ansatz bereits vorhanden.

Der 2. Abschnitt, der noch diesen Monat hier veröffentlicht wird, behandelt die Grundlagen unseres Finanzsystems, die zum Verständnis bis hin zur aktuellen Finanzkrise hilfreich sind.

Zum Weiterlesen:

    • Umfassendes Grundlagenwerk Die Herrschaft des Geldes - Geschichte und Systematik von Karl-Heinz Brodbeck

    • Der Soziologe Richard Wilkinson und die Medizinerin Kate Pickett belegen, dass gerechtere Gesellschaften für alle gut sind: Buch Gleichheit ist Glück. Kurzartikel auf zeit.de: Die Mittelklasse irrt.

    • Plädoyer für einen bescheideneren Kapitalismus von W. Uchatius:

      Jan Müller hat genug. auf zeit.de (04.12.2016).

    • Interview mit Professor Al Bartlett unter gleichnamigem Titel (zu seiner Vorlesung Arithmetik, Bevölkerung und Energie)

    • Für die nächsten Abschnitte: www.weltmachtgeld.de: Die geschichtlichen und politischen Zusammenhänge der aktuellen Finanzkrise (Abruf: 04.12.2016)

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Informationen

  • Text: Jonas Müller
  • Foto: Jonas Müller
  • Datum: 10. Dezember 2016
  • Kategorie: Soziales Wirtschaft