Unnützes Wissen

Unnützes Wissen erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei ist diese Begrifflichkeit nicht wirklich zutreffend. Unnütz bedeutet lediglich, dass etwas keinen Nutzen hat. Dieses Wissen ist Wissen, mit dem man nichts anfangen kann, man kann es nicht nutzen.

Wenn ich euch jetzt erzähle, dass mein erstes Meerschweinchen „Schnucki“ hieß, dann ist das durchaus unnützes Wissen, aber dennoch würde man es nicht in die typische Kategorie „Unnützes Wissen“ stecken. Der Aspekt, auf den es maßgeblich ankommt, ist die Komik. Beispiel gefällig? „Um sich zu berauschen saugen Delfine im indischen Ozean Gift aus Kugelfischen“. Na bitte, das ist unnützes Wissen der Extraklasse. „In Kippenhausen am Bodensee kann man keine Zigaretten kaufen“. Faszinierend. Nur durch den inhärenten Witz wird unnützes Wissen zu dem, was die Menschen lieben. Die Komik macht aus der Information etwas Interessantes.

„Der Weltrekord im Limbotanzen liegt bei einer Lattenhöhe von 16,5 Zentimetern“. „Kraken haben einen Lieblingsarm“. Trotz der Nutzlosigkeit versucht man sich die Information zu merken. Sie ist vielleicht irgendwann mal ein super Tischgespräch. „Insgesamt etwa 76 Tage ihres Lebens verbringen Frauen damit in ihrer Tasche etwas zu suchen“. „Osama bin Laden war ein großer Fan von Whitney Houston und wollte sie sogar heiraten“. Super Einstieg ins Gespräch! „Der erste Darsteller des Ronald McDonald wurde entlassen, weil er zu dick geworden war“. Vielleicht kann man bei Freunden, Fremden, Bekannten oder einer sich möglichenfalls anbahnenden zukünftigen Partnerschaft mit unnützem Wissen sogar folgenden Eindruck erwecken: „Mensch, was der/die alles weiß! Der/Die muss intelligent sein, wenn er/sie sogar so etwas sinnloses im Hirn verankert hat!“ Haha, richtig. Oder auch nicht. Vielleicht hat man ja nur so Sachen im Kopf wie: „Taumatawhakatangihangakoauauotama-teaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu“. Das ist der M?ori-Name eines nur 305 Meter hohen Hügels in Neuseeland. Der wahrscheinlich längste Ortsname der Welt.

Aber auch das ist eine hohe Kunst, die Kunst des Merkens. Manche können sich Witze gut merken, andere nicht. Sich so viel wie möglich merken zu können wollten die Menschen übrigens schon seit der Antike. Es gab sogar eine Göttin des Gedächtnisses mit dem Namen Mnemosyne. Nach ihr sind diverse Merktechniken benannt, die Mnemotechniken der Mnemomik. Also am besten mal nachlesen und so viel wie möglich merken, wie zum Beispiel das Capgrass-Syndrom. Wer daran leidet, glaubt, dass nahe Verwandte durch identisch aussehende Doppelgänger ersetzt wurden. Es gibt sogar ganz besonders intensive Fälle, bei denen manche glauben, dass unbelebte Objekte, wie Stühle oder Uhren, durch exakte Kopien ausgetauscht wurden. Unnützes Wissen, faszinierend, interessant, unterhaltsam und vor allem genau dadurch ganz und gar nicht unnützlich. Ach übrigens, es gibt auch eine Übersetzung für „Taumatawhakatangihangakoauauotama-teaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu“ und die bildet nun das Schlusswort: "Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte".

Informationen

  • Text: Josephine Petzold
  • Foto: Josephine Petzold
  • Datum: 01. September 2017
  • Kategorie: Soziales Bildung