Ameisen…kleine Plagegeister oder wichtige Helfer?

Dass Ameisen nahezu überall und in Massen auftreten können, hat wohl jeder schon am eigenen Leib erfahren, sei es als Konkurrenten um die Wurst beim Picknick oder als Ärgernis in der Küche. Dabei spielen Ameisen in den meisten Gebieten der Welt jedoch eine wichtige Rolle.

Ameisen entwickelten sich vor ungefähr hundert Millionen Jahren mitten unter den Dinosauriern und breiteten sich schnell über die ganze Erde aus. Die Gesamtzahl der heute lebenden Ameisenarten liegt wahrscheinlich bei mehreren Zehntausend. Nach Meinung der Wissenschaftler liegt der Erfolg der Ameisen an der wirkungsvoll eingesetzten und überwältigenden Stärke, die durch die Kooperation der Koloniemitglieder zustande kommt. Eine derart effektive Zusammenarbeit ist nur über eine hochentwickelte chemische Verständigung möglich: Ein Substanzgemisch, dass von verschiedenen Körperteilen stammt, wird von den Nest-Genossinnen über den Geschmacks- und Geruchssinn wahrgenommen und löst bei ihnen, je nach Substanz und unter welchen Umständen sie abgegeben wurde, verschiedene Verhaltensweisen wie z.B. Alarmierung oder Anlockung, Brutpflege- oder Fütterungsverhalten aus. Mit einem Wort, Ameisen sind so erfolgreich, weil sie sich so gut mitteilen können.

Ameisen überleben inmitten von Menschen verursachten Umweltschäden, und es scheint sie nicht zu kümmern, ob es Menschen um sie herum gibt oder nicht. Die Vielzahl der Ameisen ist wahrlich sagenhaft. Eine Arbeiterin ist nicht einmal ein millionstel so groß wie ein Mensch, und dennoch sind die Ameisen neben dem Menschen die vorherrschenden Landorganismen überhaupt. Der britische Entomologe C.B. Williams hat berechnet, dass sich die Anzahl der lebenden Insekten auf eine Trillion (1018) beläuft. Wenn man vorsichtig geschätzt annimmt, dass davon ein Prozent Ameisen sind, dann beträgt ihre Gesamtpopulation zehntausend Billionen. Eine einzelne Arbeiterin wiegt im Schnitt nur 1 bis 5 Milligramm. Wenn man jedoch weltweit alle Ameisen zusammennimmt, wiegen sie etwa ebenso viel wie die gesamte Menschheit.

Erst in den letzten Jahrzehnten wurde so richtig erkannt, welche hohe Bedeutung die meisten der weltweit verbreiteten Ameisen vor allem als Durchlüfter und Zerkrümler der Erde und als Vernichter zahlloser Wald- und Feldschädlinge haben. Ameisen sind geborene Erdarbeiter, sie betätigen sich als Blattlaus-Züchter, Wegelagerer, Insektenvertilger und Aasfresser. Sie sind die Straßenkehrer und Aufräumer in der Natur. Sie bewegen mehr Erde als die Regenwürmer und bringen dabei enorme Nährstoffmengen, die lebenswichtig für die Landökosysteme sind, in Umlauf.

Ameisen haben einen enormen Einfluss auf unsere Umwelt. Sie beeinflussen das Leben und bestimmen die Evolution von zahllosen anderen Pflanzen und Tieren. Ameisenarbeiterinnen sind die Hauptfeinde von Insekten und Spinnen. Für Lebewesen ihrer Größenordnung sind sie die Friedhofsarbeiter, da sie über 90 % der toten Tiere als Futter in ihre Nester tragen. Zudem sind sie für die Verbreitung einer großen Anzahl von Pflanzenarten verantwortlich, weil sie einige zu Futterzwecken gesammelte Samen in der Nähe der Nester oder in den Nestern selbst ablegen, ohne sie zu fressen.

Und zum Schluss noch eine kleine Kulturgeschichte: Ameisen werden schon in der Bibel wegen ihres Fleißes erwähnt. Auf römischen Münzen wurden sie als Symbol des Reichtums abgebildet. Es wurden ihnen prophetische Fähigkeiten, z.B. die Voraussage von Witterung und Hungersnöten zugeschrieben. In der Antike und auch heute noch bei eingeborenen vieler Länder werden Ameisen als Mittel gegen Gicht, Rheumatismus und Hautkrankheiten verwendet.

Informationen

  • Text: Colin Akin
  • Foto: Colin Akin
  • Datum: 09. November 2017
  • Kategorie: Ratgeber