St. Martin der gütige, fromme Mann

„Durch die Straßen auf und nieder leuchten die Laternen wieder": Am 11. November ist Martinstag. Rund um dieses Datum leuchten Kinderaugen mit ihren Laternen um die Wette. Für viele Erwachsene geht an diesem Datum die Jagd nach der besten Gans im Supermarkt los. Aber was steckt eigentlich hinter der Martinstradition?

Insbesondere Christen feiern den Martinstag am 11. November in Gedenken an Martin, den Schutzpatron Bischof von Tours, der im vierten Jahrhundert nach Christus lebte und am 11. November 397 beigesetzt wurde. Bischof von Tours, der einst Soldat war, ist der Legende nach im Jahr 334 im tiefsten Winter einem armen, unbekleideten Bettler begegnet. Er stieg von seinem Ross, teilte seinen Umhang mit einem Schwert und gab dem frierenden Mann eine Hälfte seines Umhangs. In der darauffolgenden Nacht soll dem Soldaten im Traum Jesus als Bettler erschienen sein, bekleidet mit einem Mantelstück. Seit diesem Ereignis nahm das Leben des Soldaten´s eine Wende. Er widmete sein Leben Gott und ist schließlich im Jahre 371 (372) zum Bischof von Tours ausgerufen worden. Martins Tat wurde zum Sinnbild der Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Hundert Jahre nach Martins Tod wurde er vom Papst heiliggesprochen. Nach der Reformation blieb der Martinstag auch in den protestantischen Gebieten erhalten. Die Verehrung des Heiligen wurde dort auf den an einem 10. November geborenen Martin Luther übertragen. Der Reformator (1483-1546) wurde am Martinstag getauft.

Wie kommt nun bei der Legende die Gans ins Spiel? Traditionell wird am 11. November eine sogenannte Martinsgans gekocht. Dies hat gleich drei Ursprünge:

Zum einen soll sich Martin von Tours aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben, als er zum Bischof geweiht werden sollte. Das laute Geschnatter der Gänse verriet jedoch sein Versteck und er wurde entdeckt. Seit diesem Tag gilt Bischof Martin von Tours nicht nur als Schutzpatron der Armen, sondern auch der Gänsezucht.

Außerdem galt der Martinstag bis ins 19. Jahrhundert als Tag der Zins- und Pachtzahlungen. Zu den fälligen Naturalabgaben gehörte auch die Martinsgans, die oft aber als Krönung eines üppigen Festtagsmahls auf dem Esstisch landete. Diese Tradition wird bis heute gepflegt.

In den Klöstern läutete der Martinstag den Beginn der Adventszeit ein, die als Bußzeit mit dem Verzicht auf Fleisch verbunden war. Der Vorabend des Martinstages bot somit Anlass, es sich nochmals richtig gut gehen zu lassen. Während die Kinder früher Reste von dem, was vom Abendessen übergeblieben war, erhielten, freuen sie sich heute über Süßigkeiten.

Eine weitere Tradition für den Martinstag sind die bunten Lichterumzüge, bei denen Kinder mit selbst gebastelten Laternen durch die Straßen ziehen und Martinslieder singen. Begleitet werden die Umzüge häufig von einem Mann auf einem Pferd, der symbolisch für St. Martin steht.

Aber warum ist es üblich, zum Martinstag mit Laternen umherzuziehen? Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen. Einerseits sollen die Menschen am Grab von St. Martin oft Lichterumzüge veranstaltet haben, woraus sich dann später der Umzug mit Laternen entwickelte. Andererseits könnte sich der Lichterumzug auch an dem Jahresablauf der Bauern orientieren: Einst war der 11. November der Winteranfang und man feierte das Ende des Erntejahres. Der Martinstag war der letzte Tag der Ernte von Korn und Wein und man begann, Tiere zu schlachten. Als Dank hat man ein Erntefest veranstaltet und auf den Feldern ein großes Feuer gemacht. Die Kinder haben dann Fackeln an diesem Feuer entzündet oder auch ein Licht in ausgehöhlte Rüben oder Kürbisse gesteckt, um damit durch die Ortschaften zu wandern und um Obst und Gebäck zu bitten.

Zum Gedenktag zeigen viele Bereitschaft zum Teilen und das ist auch gut so. Bis heute erinnert die Tat des jungen Soldaten daran, Bedürftigen Zuwendung zu schenken und mit ihnen zu teilen. Dies stellt heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr da. Warum sich den Martinstag also nicht einfach mal als Anlass nehmen um hilfsbedürftigen Menschen etwas Gutes tun?

Informationen

  • Text: Julia Schleier
  • Foto: Julia Schleier
  • Datum: 10. November 2017
  • Kategorie: Soziales Kultur