Irland-Ein geteiltes Land

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Bei Irland denken wir an Guiness-Bier, Kobolde mit Goldtöpfen und Butter aus „echter irischer Weidemilch“. Was die Gruppe „IRA“ oder der „Bloody Sunday“ mit der Vergangenheit dieses Landes zu tun haben und wieso es sich hierbei um einen der größten Konflikte der Geschichte handelt, dazu mehr im folgenden Artikel.

Im 12.Jahrhundert kam es zur Unterwerfung irischer Fürsten durch den englischen König Heinrich II., der die ungeschützte Westflanke seines Reiches sichern wollte. Bald wurden die Iren im eigenen Land unterdrückt und wegen ihrer katholischen Konfession diskriminiert. 

Mehrere Aufstände endeten erfolglos und führten Anfang des 17.Jahrhunderts zur Neubesiedlung verlassenen Landes in Ulster mit protestantischen Siedlern aus England. Der Ursprung der bis heute andauernden Spannungen in Nordirland. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich erneut der Widerstand gegen die englische Besatzungsmacht. Jegliches Streben nach Unabhängigkeit wurde jedoch von den Briten im Keim erstickt, Demonstrationen niedergeschlagen. Tragische Berühmtheit erlangte der Osteraufstand von 1916, nach dessen Scheitern die Anführer hingerichtet wurden.

Aus dem Widerstand gegen die Engländer wurde die „Irish Republican Army“ (= IRA) gegründet. Sie sollte die Welt vor allem in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Terror in Angst und Schrecken versetzen. Zu ersten Annäherungsversuchen kam es 1922. Der Vorschlag der Briten: Irland solle in den Freistaat Irland und Nordirland geteilt werden. Dieser Vertrag war jedoch umstritten und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Entscheidung immer wieder vertagt, ein Großteil Irlands aber letztendlich 1949 in die Unabhängigkeit entlassen. 

Die Nordiren mussten in einem Referendum darüber abstimmen, ob sie in Zukunft zur Republik Irland oder zu Großbritannien gehören wollen. Wie zu erwarten stimmte die protestantische Mehrheit der nordirischen Bevölkerung für England und es kam zu einer Vergrößerung der Kluft zwischen den Lagern. Während die Iren ihre Unabhängigkeit feierten, fingen ab 1966 die Katholiken Nordirlands an, zunächst friedlich gegen diese Ungerechtigkeit zu demonstrieren Als zwei Jahre später eine Demonstration blutig niedergeschlagen wurde, griff man zu radikaleren Mitteln und die IRA formierte sich neu zum Kampf.

Ende der 60er versuchte London die gewalttätigen Ausschreitungen einzudämmen und schickte 5.000 Soldaten nach Nordirland, doch die Auseinandersetzungen eskalierten immer mehr. Am „Bloody Sunday“, den 30.Januar 1972, kamen 14 Menschen ums Leben, als britische Polizisten aus ungeklärten Gründen das Feuer auf die Teilnehmer eines Bürgermarsches in der Stadt Derry eröffneten. Nach zahlreichen Anschlägen der IRA in den 80er Jahren kam es 1993 zu offiziellen Gesprächen zwischen der britischen Regierung und Sinn Féin, dem politischen Arm der IRA. Noch entschlossener trieb die neue Regierung unter Premierminister Tony Blair den Friedensprozess voran. Doch der Schein trügt…

2005 erklärte die IRA zwar den bewaffneten Kampf für beendet, nur sind zwei kleinere radikale Splittergruppen, die Real IRA und die Continuity IRA, nach wie vor gewaltbereit und halten bis heute am Kriegszustand fest. 2009 gab es wieder Anschläge von jenen Gruppen.  Mitglieder der "Wahren IRA" ("Real IRA") erschossen am 7. März in einer Kaserne nordwestlich von Belfast zwei Soldaten und verletzten vier weitere Menschen. Zwei Tage später erschossen Anhänger der "Fortdauernden IRA" ("Continuity IRA") einen Polizisten in Craigavon.

Obwohl die Zahl der aktiv Beteiligten am Nordirlandkonflikt klein ist und die paramilitärischen Organisationen verdeckt agieren, berührte der Konflikt täglich das Leben der meisten Menschen in Nordirland und breitete sich gelegentlich bis Großbritannien oder die Republik Irland aus. Rund 3500 Menschen starben infolge der Gewalt; ungefähr die Hälfte der Opfer waren Zivilisten. Bis heute sind die politischen und sozialen Einstellungen vieler Menschen durch den Konflikt geprägt.

Informationen

  • Text: Nils Hübel
  • Foto: Nils Hübel
  • Datum: 28. Januar 2018
  • Kategorie: Soziales Kultur Politik